Do

20

Jan

2011

Summa(rketing) cum Laude!

Die Story: Ein Museum hat kaum noch Besucher. Die Menschen vergnügen sich längst woanders und von den wenigen, die noch ab und an durch die großen und teuren Hallen schlendern, kann das Museum auf Dauer nicht mehr existieren.

 

Normalerweise läuft jetzt ein Standard-Prozess ab. Zumindest hierzulande kenne ich das so. Der Bürgermeister erklärt wortreich, die Stadt sei (nach dem Bau des zehnten Business-Parks) pleite, man suche aber selbstverständlich mit Hochdruck nach Investoren und versuche natürlich, das Museum zu retten...

Die lieblos gemachten Flyer der Bürger-Initiative "RUM" (Rettet-Unser-Museum) findet man nur vereinzelt in den Pfützen, in KiTas oder auf den Schaufenstern von "Dritte-Welt-Läden". Die selbst ernannte Bildungs-Elite, angeführt von der FDP, beklagt den Niedergang der abendländischen Kultur. Die FAZ schiebt es auf die Eltern, das Fernsehen und natürlich das Internet.

 

Nach zähen Monaten der "Kulturkrise", mit endlosen hoch karätig besetzten Podiums-Diskussionen, wird das das Gebäude schließlich von der ECE gekauft und schon bald ensteht dort eine top-moderne Einkaufs-Mall. Der schwindende Protest wird schon bald von der dortigen Musikberieselung und den "also-das-muss-ich-schon-sagen"-sagenhaft günstigen Preisen übertönt.

Hier kommt ein wunderbarer Beweis, wie es anders funktioniert. Film ab!

 

Summa cum Laude würde ich sagen. DAS ist Marketing!

 

Von der Idee, Bilder durch Videos zu "beleben" über den Einsatz und die Vernetzung unterschiedlichster Medien bis hin zur Interaktion mit den Konsumenten via Mobilfunk. Und: Jedes einzelne Puzzleteil zahlt ein auf die gewünschte Wirkung: Mehr Besucher im Museum. Und zwar nicht, weil es dort ausnahmsweise Zuckerwatte gibt, sondern aus Interesse für die Kunst!

Aus meiner Sicht alles richtig gemacht. In diesem einen Fall.

 

Denn, und das ist der entscheidende Punkt: die Denke dahinter ist entscheidend, nicht die einzelnen Maßnahmen.

Gefunden habe ich die Geschichte übrigens auf dem Facebook-Profil von Alexander von Halem - einem Menschen, den ich persönlich nicht kenne. Dennoch tauschen wir online regelmäßig Inspirationen, Anregungen und Ideen. Einfach so. Das hat etwas mit gemeinsamen Werten zu tun. Da spielt es keine Rolle, ob wir uns schon einmal die Hand gegeben haben. Früher hätten wir uns vermutlich - und leider! - nie kennen gelernt. Warum ich euch das erzähle? Weil es zur Museums-Geschichte dazu gehört...

 

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Kommentare: 4
  • #1

    RalfLippold (Donnerstag, 20 Januar 2011 21:06)

    ... nur die Intention und der Kontext der Beteiligten führt zu solch wunderbaren Ergebnissen.

    Ganz ähnlich, jedoch anders die Aktivitäten von Semperoper und Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, http://www.semperoper.de/de/ballett/extras/on-the-move.html (auch auf meinem Blog mehr darüber zu erfahren, unter dem Stichwort SemperOper)

  • #2

    wernerschuetz (Donnerstag, 20 Januar 2011 22:18)

    Ich bin nicht sicher ob "die Denke" tatsächlich allein zählt, schließlich spielen neben finanziellen Faktoren auch inhaltliche eine wesentliche Rolle. Der Ansatz ist auf jeden Fall ein guter. Mir fehlt in dem Konzept aber die Nachhaltigkeit und das Identifikationspotential mit der eigentlichen Kunst. Die Diskussion im Das Kulturmanagement Blog dazu ist sehr interessant. http://bit.ly/hN1b0w

  • #3

    Helge Thomas (Freitag, 21 Januar 2011 10:13)

    @ralf danke für den link zur semperoper, auch wenn ich das cross-mediale und interaktive element dort (noch) nicht erkennen kann...

  • #4

    Helge Thomas (Freitag, 21 Januar 2011 10:20)

    @werner nein, die denke zählt nicht alleine. ich habe geschrieben, sie ist das entscheidende!

    ...es geht um die erkenntnis, das heute alles und jeder mit allem und jedem vernetzt ist.

    ...es geht darum, zu erkennen, dass wir menschen so gerne spielen.

    ...es geht darum, das unser gehirn bewegte bilder und geschichten leichter und schneller verarbeiten kann. und und und...

    was meinst du mit "identifikationspotenzial mit der eigentlichen kunst"?